Wie die neue Liebe zur 7 Probleme mit Mathe löste - ein LernCoaching Bericht

Beim Aufräumen und Ausmisten meiner unzähligen Dateien auf dem Rechner, ist mir ein Lerncoaching-Bericht von 2010 in die Hände gefallen, den ich bereits damals in einem Newsletter verbreitet habe. Weil er so wunderbar zeigt, was Lerncoaching bedeutet, möchte ich ihn heute noch einmal im BLOG - leicht abgewandelt - veröffentlichen:

Nico ist ein sehr cleverer, lustiger und motivierter 8-jähriger Junge, der einige Zeit bei mir im Lerncoaching war und von dem ich viel lernen durfte.

Eines seiner Themen für das Lerncoaching war ein Problem in Mathe. Es äußerte sich so, dass Nico immer wieder Fehler beim Addieren, Subtrahieren, beim kleinen 1x1 oder Dividieren machte. Ich prüfte dieses Thema auf allen Ebenen des Lernerfolgspuzzles ab, ob also Optimierungspotenziale z.B. bei der Konzentration, der Motivation, dem Glauben an sich selbst oder auf der Lernstrategie-Ebene lagen.

Nachdem alles in Ordnung schien, arbeitete ich sicherheitshalber über die Visualisierungsstrategie mit ihm. Ich ließ Nico z.B. die 1x1-Aufgaben auf den inneren Bildschirm projizieren, außerdem ließ ich die einzelnen Ziffern nebeneinander stehen etc. Wir erarbeiteten noch einige andere Varianten, die auch ziemlich zügig Erfolge erzielten. Nico wurde von Mal zu Mal sicherer im Rechnen.

Und dennoch machte er immer wieder Fehler. Viele Fehler, die wir uns zunächst nicht erklären konnten. Schließlich ließ ich Nico wahllos verschiedene Aufgaben rechnen, mit dem Ziel ein Muster zu entdecken. Viele Aufgaben löste er sofort richtig, einige machte er völlig verkehrt.

Ich starrte auf die Aufgaben ... und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die Struktur der Fehler lag weder in der Rechenaufgabe noch in der Rechenart noch an der Schwierigkeit der Aufgaben. Es schien vielmehr an einer bestimmten Ziffer zu liegen. Denn überdurchschnittlich oft traten die Fehler auf, wenn die Sieben an der Aufgabe beteiligt war.

Ich schob das Blatt zur Seite und fragte Nico: „Sag mal, welche Ziffer magst Du eigentlich am liebsten?“ Statt mich verwirrt anzuschauen - wie ich es zunächst erwartete, antwortete er sofort: „die Vier mag ich sehr gerne und auch die Acht und die Fünf.“

Also packten wir das Launometer aus und beurteilten die Ziffern auf der bekannten Skala von 1 (mag ich gar nicht) bis 10 (mag ich sehr gerne). Nicht nur Nico bewerte den Zahlenraum von 1-9, sondern auch ich. Es war unglaublich interessant, wie sicher und schnell wir die Bewertungen vornehmen konnten!

Interessant, dass die Sieben bei Nico bei einem Wert zwischen 1 und 2. Er mochte sie einfach nicht.

Schließlich gingen wir den nächsten Schritt: ich bat Nico, an die Acht zu denken und fragte die Submodalitäten (also die Art wie genau sie innerlich - hier als inneres Bild - repräsentiert ist) ab. Auf Nicos innerem Bildschirm war die Acht hell, groß, nah, hellblau und sehr scharf. Ich ließ ihn noch ein paar andere Zahlen repräsentieren bevor ich nach der Sieben fragte. Und siehe da: sie war verschleiert, nebelig, am äußeren Rand und irgendwie schwer zu sehen, in einer unschönen Farbe.

Kein Wunder, dass mit so einer inneren Repräsentation die Aufgaben mit der Sieben nicht so gut klappten. Also veränderten wir die Submodalitäten, indem wir sie heller, größer und vor allem schärfer machten.

Submodalitäten wirken wie Signale an die Gehirnareale, die Bewertungen vornehmen. Erinnerungen oder Vorstellungen von etwas, was wir mögen sind innerlich anders repräsentiert als diejenigen, die wir nicht mögen. So „weiß“ das Gehirn, was in die Kategorie „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“ gehört. Submodalitäten sind dabei nicht nur die Folge von Bewertungen, die wir bereits vorgenommen haben, sondern wir können die Submodalitäten so verändern, dass die emotionale Bewertung beeinflusst wird.

Zurück zu Nico: Diese Verbesserung des inneren Bildes der Sieben schlug sich sofort in der Bewertung nieder. Auf dem Launometer rückte sie von 1-2 auf einen Wert von 6. Immerhin.

Ich gab Nico noch die Lustaufgabe mit, verschiedene Sieben zu malen, die toll aussehen und die er gut findet. Und wie erwartet verbesserten sich Nicos Leistungen in Mathe von diesem Tag an stetig!

Für mich zeigt diese Fallgeschichte sehr schön, wie sich Lerncoaching von Nachhilfe oder reinem „Lernen zu lernen“ abgrenzt. Nico hätte noch so viel üben, üben, üben können, es hätte nicht viel gebracht. Erst durch die Änderung auf mentaler Ebene ist der entscheidende Schritt passiert.

Übrigens: nicht nur gegenüber Zahlen, sondern auch zu Buchstaben oder Worten haben die meisten Menschen (egal ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene) eine innere Haltung entwickelt. Es ist spannend, daran im Coaching zu arbeiten.

Danke für’s Teilen :-)

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