Was ist eigentlich Suggestopädie?

Immer wieder taucht im Kontext Weiterbildung, Training, Schule und Bildung dieser etwas sperrige Begriff der Suggestopädie auf. Doch was kann man sich eigentlich unter dieser Methode vorstellen? Diese Frage lässt sich ganz kurz beantworten: Suggestopädie ist angewandte Neurodidaktik.

 

Und ein klein wenig ausführlicher: Suggestopädie beschäftigt sich damit, wie Erkenntnisse der Neurowissenschaften in der Lehr- und Trainertätigkeit praktisch umgesetzt werden können.


Worin unterscheiden sich suggestopädische Trainings von herkömmlichen?

Suggestopädische Trainings zeichnen sich dadurch aus, dass sie von den Teilnehmern als sehr aktivierend, "leicht", entspannend, vielfältig und oftmals auch ungewöhnlich erlebt werden. Teilnehmer melden zurück, dass sie völlig überrascht sind, wie viel sie gelernt (und auch behalten haben) haben und dabei den Lernprozess als gar nicht anstrengend empfanden.

 

Das kommt nicht von ungefähr, denn suggestopädische Trainings haben einen nach aktuellen lernpsychologischen und neurobiologischen Kriterien entwickelten Aufbau (suggestopädischer Kreislauf), der sichergestellt, dass das Lernen gehirngerecht erfolgen kann. Zu jedem dieser Kriterien wurden verschiedene - teils ungewöhnliche, teils spielerische - auf jeden Fall sinnvolle didaktische Methoden entwickelt.

 

Wie genau kann ich mir das vorstellen?

Um ein Beispiel zu nennen: damit Informationen überhaupt eine Chance haben, im Gehirn adäquat aufgenommen und verarbeitet zu werden, müssen sie an dem Türsteher zum Langzeit-Gedächtnis - dem Hippokampus - vorbeikommen. Dieser entscheidet nach einigen Kriterien, ob eine Information es wert ist, aufgenommen zu werden oder nicht. Einige dieser Kriterien sind: Ungewöhnlichkeit, persönliche Bedeutung für mich, trifft genau mein Interesse, Überraschungseffekte ... u.a..


Suggestopäden nehmen diese Schleuse sehr ernst. Im "suggestopädischen Kreislauf" bildet die Motivationsphase dies ab. Und es wurden spezielle Trainings- und Lehr-Methoden entwickelt, wie die Bedürfnisse des Hippokampus befriedigt werden können - und zwar unabhängig von Thema und Zielgruppe. Das ist der Anwendungsaspekt in der Suggestopädie.

 

Im Grunde kann man sich das so vorstellen: ein Suggestopäde arbeitet so, dass alle beim Aufnehmen und Verarbeiten beteiligten Gehirnareale auf "grün" gestellt sind, und bedient sich dabei einem gut durchdachten und sehr praxisorientierten System.


Was ist eigentlich der Ursprung der Suggestopädie?

Suggestopädie wurde von dem bulgarischen Psychologen Georgi Lozanov in den 1960er Jahren als besondere Lehr- und Lernmethode entwickelt. Lozanov hat mit verschiedenen Methoden und Techniken experimentiert, um herauszufinden, welche zu einer besonderen Gedächtnis- und Lernleistung führen. Er forschte z.B. zur Wirkung auf den Lernerfolg von Musik, Interaktivität, dem Bedienen mehrerer Sinneskanäle und der Wechselwirkung des Lehrenden und Lernenden. Zu diesem Zeitpunkt waren das geradezu revolutionäre Ideen, die sich sehr schnell über den eisernen Vorhang in den Westen verbreiteten. Lozanov entwickelte ein Gesamtsystem, welches er "Suggestopädie" nannte. Der Name soll ausdrücken: der Lehrende bietet etwas an, schlägt etwas vor (to suggest) und das Ganze im Kontext der Pädagogik.


Wie hat sich die Suggestopädie entwickelt?

Während die Suggestopädie in den Anfängen zunächst fast ausschließlich im Fremdsprachen-Unterricht eingesetzt wurde, findet sie heute in allen Bereichen der Aus- und Weiterbildung ihren Platz. In der Schule, der Universität, in der internen Fortbildung in Unternehmen oder in offenen Seminaren.


Suggestopädien entwickeln nicht nur die Methoden immer weiter, sondern sie stehen in einem permanenten Austausch mit Wissenschaftlern, um neueste Erkenntnisse in dieses faszinierende System integrieren zu können.


So hat sich mittlerweile ein sehr enger Austausch zwischen dem Forschungsteam rund um den Neurowissenschaftler Manfred Spitzer und der DGSL (Deutsche Gesellschaft für suggetopädisches Lehren und Lernen e.V.) entwickelt. Über erste Ergebnisse aus dieser Zusammenarbeit wird das interessierte Publikum (auch Nicht-Suggestopäden) auf dem Kongress der DGSL im November 2015 informiert und seine Umsetzung in der Praxis diskutiert.

 

Für wen ist Suggestopädie interessant?

Sie ist für alle interessant, die in der Lehre und im Training tätig sind. Erfahrene Trainer können mit Hilfe der Suggestopädie ihre Lehr- und Trainer-Tätigkeit insgesamt auf ein noch höheres Niveau bringen und an spezifischen Stellen noch mehr Tiefgang hineinbringen. Neulinge bekommen einen äußerst erfolgreichen Leitfaden für die Gestaltung von Lernprozessen an die Hand.


Wie kann man Suggestopädie lernen?

Suggestopäde wird man, indem man zunächst das Starter-Seminar besucht und dann die Grundausbildung anschließt. Die Grundausbildung bei mindSYSTEMS startet im Dezember diesen Jahres und der nächste offene Starter findet Ende April 2016 statt.


Und wer sich erst einmal einen Überblick verschaffen möchte, sollte unbedingt den Lernkongress der DGSL vom 06.11.-08.11.15 in Hohenroda besuchen.


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