Braucht NLP einen Update? Und in welcher Version von NLP sind wir eigentlich?

Ich muss gestehen, ich habe den Überblick verloren in welcher Version von NLP wir uns gerade befinden. Hier lese ich von NLP 2.0 - das kommt mir geradezu dröge vor im Vergleich zu der 4.0, die ich gerade im Internet entdeckt habe. Und irgendwo war gar die Rede von einer 6.0-Version oder NLP-Master-Class. Dabei habe ich noch gar nicht wirklich kapiert, um was es da eigentlich geht.

Ich frage mich, worin genau der Update jeweils liegt bei all den neuen NLP-Versionen. In den Methoden und Formaten? In den Ausbildungskonzepten? In der wissenschaftlichen Begründung? Letzteres fände ich ja ganz besonders spannend. Gibt es also wirklich neue Versionen von NLP?

 

Unbestritten gibt es durchaus „old-fashioned“ NLP und modernes NLP. Worin liegt der Unterschied? NLP hat sich - auch im Zuge der Entwicklung der Gehirnforschung - weiterentwickelt, korrigiert und angepasst, so dass sich einige Methoden und Konzepte im Laufe der Zeit z.T. stark verändert haben.

Wenn ich als NLP-Neuling auf der Suche nach einer passenden Ausbildung bin, möchte ich natürlich modernes, aktuelles NLP lernen. Doch woran kann ich es erkennen? Wir haben hier exemplarisch vier Themen herausgegriffen, an denen man den Entwicklungsstand einer NLP- Ausbildung ganz gut erkennen kann:

 

4 Beispiele, woran der Entwicklungsstand erkannt werden kann:

Beispiel "Logische Ebenen": Ein klassisches Beispiel für eine Methoden-Evolution. Robert Dilts startete mit dem Begriff „Logische Ebenen des NLP“ für ein Konzept, welches Veränderung strukturiert angeht und damit besonders nachhaltig ist. Er wurde dann aber schnell überzeugt, dass hier von echten logischen Ebenen (Logik - Hierarchie) keine Rede sein kann und änderte es in „neurologische“ Ebenen. Auch diese Überschrift passte nicht wirklich. Heute spricht man schlicht aber adäquat von „Veränderungsebenen (nach Robert Dilts)“ und stellt sie meistens auch nicht mehr als Pyramiden-Form sondern als dynamisches Modell dar.

 

Beispiel Methoden-Vermittlung: Viele meinen, NLP sei eine Sammlung von mentalen Techniken und Formaten. Dies liegt daran, dass oft Methoden als reine Rezepte vermittelt werden, ohne zugleich die dahinter stehenden Wirkprinzipien verständlich zu machen. Warum wird beim NBG oder beim Swish hier dissoziiert und dort assoziiert? Wann ist ein bestimmter Schritt nötig und wozu? Warum funktioniert vor dem Hintergrund der Erkenntnisse über das Erinnerungsvermögen des Gehirns und die Gedächtnisforschung der Change History? Nur wenn ich das verstanden habe, dann kann ich mit den einzelnen Schritten sinnvoll umgehen.

 

Wenn die Wirkfaktoren des NLP nicht gelehrt werden, dann wird man als Anwender wenig flexibel und kreativ sein können. Es ist so als würde ich kochen lernen und nicht verstehen, dass Chili scharf und Salz salzig ist, sondern ich eben einfach genau so viel Menge hineintue wie im Rezept steht - selbst wenn mein Gast es nicht scharf mag.

 

Beispiel Ankern: Wer meint, man könne nur kinästhetisch und andere ankern, der hat das Ankern nicht wirklich gut und flexibel vermittelt bekommen - leider kein Einzelfall, sondern nach unserer Erfahrung haben viele NLP-Practitioner-Absolventen diese Überzeugung. Viele waren zudem völlig überrascht, dass Ankern vor allem ein Selbstmanagement-Tool ist, und keine zweite Person dafür notwendig ist (!). Das machte nun uns ziemlich baff. Oder wenn Bodenanker mit „echten“ Anker gleichgesetzt werden. Bodenanker sind eher hilfreiche Markierungen und haben mit einem klassischen Anker nur wenig gemeinsam.

 

Beispiel Lernatmosphäre: Historisch bedingt als therapeutische Weiterbildung hat NLP sich anfänglich mit der Bearbeitung von psychischen Problemen beschäftigt. D.h. auch die Übungen fokussierten sich auf die Behandlung von Klienten. Heutzutage wird NLP eher als Methode verwendet um soziale Kompetenz, emotionale Intelligenz und Resilienz zu entwickeln. Wenn in Kursen v.a. nach Problemen gefragt wird, die bearbeitet werden, wenn regelmässig Teilnehmer/innen emotional aufgewühlt sind und weinen und wenn Übungen und Demos auch stundenlang dauern können, dann ist man in einer klassischen “old-school” NLP Ausbildung.

 

Tipps für Fragen im Vorfeld:

Es gäbe noch eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten zu erkennen, ob die anvisierte NLP-Ausbildung up to date ist oder noch in den ersten Phasen des NLP verhaftet ist. Daher unser Tipp: Eine Klärung im Vorfeld nach dem Motto „bringen Sie uns auch die Logischen Ebenen bei“ oder „bin ich nach der NLP-Practitoner-Ausbildung in der Lage auch eigene Methoden / Formate zu entwickeln“ oder "geht es hier eher um Selbstmanagement oder Problembearbeitung?" ist sicherlich hilfreicher als sich auf ein Kürzel 2.0 oder 4.0 zu verlassen.

 

Lust auf eine moderne NLP-Ausbildung?

Am 20.10.17 startet die nächste NLP-Practitioner-Ausbildung bei mindSYSTEMS. Das Besondere bei uns: wir intergrieren Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung sofort und damit können wir guten Gewissens sagen: jede Ausbildung ist immer die aktuellste Version des NLP :-).

Mehr Infos zur NLP-Ausbildung

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Martin (Samstag, 15 Juli 2017 08:46)

    Ich bin hier gelandet, weil ich das Internet nach neuen Themen durchsuche und über INLPTA mehr erfahren wollte. Und finde hier ein tolles und wichtiges Thema. Ich kann dem Artikel nur zustimmen. Wahrscheinlich braucht NLP keine Versionsnummer, aber Zertifikate mit Verfallsdatum für Trainer, die den Anspruch haben "das Neueste" anzubieten. Ich habe NLP fast immer fürs Selbstmanagement benutzt, um mich selbst zu coachen.

    NLP und Achtsamkeit haben mir geholfen, eine angeblich "unheilbare" Krankheit (dyshydrotisches Ekzem) soweit in den Griff zu bekommen, dass die Symptome komplett verschwunden sind - ganz ohne Medizin und üble Nebenwirkungen. Und wenn sie äußerst selten wieder auftauchen wollen, erkenne ich die Symptome schon vor dem Frühstadium und ich weiß, was ich tun kann. Wenn die Ärzte mich mit Symptom sahen, wirkten sie immer ratlos und verschrieben Kortison, was zwar eine Wirkung zeigte - aber keine positive; und wenn jetzt ich längere Zeit nicht mehr auftauche sind sie ratlos, weil sie nicht glauben, dass leben auch ohne Kortison geht. Diese "Ratlosigkeit" der Ärzte in mehreren Praxen und Kliniken war für mich der Anlass zu denken: "Wenn Ihr es nicht wisst, weiß es vielleicht mein Körper besser", "Wenn es angeblich nie wieder weggeht, wie kann ich es besser integrieren?", "Wenn das Symptom keine Krankheit ist, sondern die gesunde Reaktion auf die aktuellen Umstände, in denen sie passiert, was kann ich dann tun?". Irgendwann hatte ich den Dreh raus. Die Erkenntnis brauchte Zeit und Ruhe, aber ich behaupte es funktioniert. Erst dann hatte ich das Gefühl: "Jetzt werde ich langsam der Master, der ich auf dem Papier ja schon seit 10 Jahren bin." :-)

    Meine Ausbildungen zum Practitioner und Master Practitioner (INLPTA) liegen nun schon einige Jahre zurück und ich versuche mich mit Büchern und Videokursen ein bisschen auf dem Laufenden zu halten. Mittlerweile gibt es ja viel Gutes im Netz. In nächster Zeit will ich es durch ein oder zwei Seminare auffrischen und ergänzen (Social Panorama bei L. Derks - schon gebucht, mBIT - gerade erst entdeckt und noch keinen Anbieter in der Nähe gefunden). Vielleicht ist es auch mal an der Zeit, nicht nur Wissen und Skills, sondern auch weitere Zertifikate zu sammeln, um daraus irgendwann einmal ein zweites Standbein auszubilden.

    Natürlich macht es Sinn, in Ausbildungen Modelle und Interventionen wegzulassen, die nicht wirklich funktionieren oder mittlerweile durch wirksamere ersetzt wurden. Selbst Bandler habe ich in einem älteren Trainingsmitschnitt auf YouTube sagen hören, dass er das eine oder andere Format nicht mehr benutzt, weil er besseres kennengelernt hat. Und das war ja immer schon Teil des "Selbstbilds" des NLP, so wie ich es von Anfang an verstanden habe: NLP muss effektiv und nützlich sein. Dazu gehört natürlich, dass man Überholtes über Board wirft und neue Erkenntnisse integriert. Dennoch: Manche "alte" Formate sind vielleicht mittlerweile fragwürdig, und trotzdem beschäftige ich mich mit dem einen oder anderen immer noch, weil es mir Spaß macht in die Geschichte einzutauchen, wie ich z.B. jetzt noch die Core Transformation DVDs gekauft habe. Früher hat's mit dem Englisch noch nicht so gut geklappt :-)

    Jetzt habe ich "gefühlt" hunderte deutschsprachige und englische Titel gelesen - vieles davon war einfach schlecht abgeschrieben, vieles auch sehr gut und/oder neu. Doch es heißt in manchen "Standardwerken" immer noch "Logische Ebenen" oder "Neurologische Ebenen" - obwohl mir das "Neuro" oder die "Logik" in dem Begriff nie ganz einleuchtete. Ich denke ich hatte damals eine super Trainerin, die uns diesen Namen damals schon mit einem Augenzwinkern genannt hat, nach dem Motto: "Niemand weiß, warum das so heißt, aber manchmal denken sich die Amerikaner gerne sowas aus - nützlich ist das Modell allemal." Bedauerlicherweise wurden manchmal für wirklich nützliche Modelle wie dieses Namen geschaffen, die in manchen Kreisen fürs NLP unvorteilhafte Diskussionen ausgelöst haben. "Veränderungsebenen" - das trifft es meiner Meinung auf den Punkt. Finde ich sehr gut! Wird ab jetzt von mir genauso verwendet - das erspart sicherlich viele Fragen, die ich sowieso nicht eindeutig beantworten kann. Generell würde ich befürworten, manche Begriffe aus dem "Oldschool"-NLP umzutaufen, in etwas weniger missverständliches, weil sie in anderen Fachbereichen auch verwendet werden, aber mit einer anderen Bedeutung. Ich denke da vor allem an meinen Freund, den "Psycho" (-Heilpraktiker), der meist versucht meine "Oldschool"-Sprache durch seine "psychologische" Brille zu deuten, was teils endlose Diskussionen bis spät in die Nacht zur Folge haben kann. ;-)

    Nun zu meiner eigentlichen Frage: Welche aktuelle Literaturliste würden Sie heute einem Practitioner und Master Practitioner an die Hand geben? Gibt es außerdem ein Werk (deutsch oder englisch), welches als umfassende, fundierte und aktuelle Referenz dienen kann?