Von der Kunst faul zu sein

Kannst du so richtig faul sein? Einfach so? Super, dass du dir das erlaubst! Vielleicht fragst du dich aber auch, was das eigentlich ist: faul sein. In der Hängematte und lesen? Auf einer Bank sitzen und in den Himmel schauen? Im Bett liegen, in dieser und jener Zeitschrift herumblättern, dösen und das gar über mehrere Stunden. Ist das Faulsein?

Kommt drauf an. Denn Faulheit hat zwei Aspekte: abwertend wird sie verwendet, wenn man etwas tut, was einen Gegenentwurf zu etwas eigentlich Erwarteten darstellt. „In der Hängematte liegen und lesen“ kann der Gegenentwurf zu „Schreibtisch aufräumen“ oder „Seminar vorbereiten“ sein. Faulsein wird oft in dieser Relation betrachtet. Das wird dem echten Faulsein jedoch nicht gerecht.

Denn eigentlich ist Faulsein, wenn man etwas tut, was keinem Zweck, keinem Ziel und keinem Sinn dient - also auch kein Gegenentwurf ist. Wenn das „In den Himmel schauen“ nicht eine Achtsamkeitsübung ist (die ja ein Ziel verfolgt), sondern einfach so geschieht, weil man gerade Lust drauf hat, dann ist das faul - im positiven Sinne.

Wie man hier vielleicht schon erahnen kann, wollen wir das negative Image von Faulheit ein bisschen aufpolieren. Denn es ist ganz wunderbar, wenn man in unserer heutigen schnell-lebigen, sich selbst optimierenden und permanent zielgerichteten Welt noch Inseln für das Faulsein-Dürfen findet.

Jede Erklärung, was das Tolle am Faulsein ist, würde schon wieder ein Ziel oder einen Sinn unterstellen, deswegen wollen wir ganz bewusst hier drauf verzichten, sondern einladen sich immer wieder zuzugestehen, faul sein zu dürfen. Stunden, ja ganze Tage sinnlos vertrödeln, verplempern - und das genießen können. Vielleicht kannst du dann sogar den seltenen Gast Langeweile bei dir willkommen heißen?

Natürlich können wir es nicht lassen, und zum Schluss noch ein paar Tipps für’s Faulsein geben:

  • achte auf den inneren Dialog: wie oft kommt „ich müsste jetzt eigentlich ...“ vor? Sage dir bewusst: „ich darf jetzt mal gar nichts tun“ oder „heute bin ich richtig faul“ oder „ah, wie herrlich ist es, faul zu sein!“.
  • besonders viel Spaß macht Faulsein in Stressphasen: hast du eigentlich unglaublich viel zu tun? Ein wunderbarer Zeitpunkt für zielloses Nichtstun - es hat nämlich gleich etwas herrlich Verbotenes an sich. Dein schlechtes Gewissen darf sich ebenfalls eine Pause gönnen.
  • Mit anderen faul sein, ist besonders schön. Denn man kann hier zusammen sein ohne groß was tun oder sich gar unterhalten zu müssen. Ein wohliges Seufzen alle paar Stunden reicht völlig aus.
  • Regelmäßiges Üben führt irgendwann zur Perfektion. Das ist auch beim Faulsein der Fall. Erlaube dir regelmäßig faul zu sein und genieße es. Du wirst feststellen, dass du dich bald immer und überall diesem Modus hingeben kannst.


Für alle, die es brauchen, hier noch eine abschließende Bemerkung: die richtig erfolgreichen Menschen, die ich kenne, können auch richtig faul sein. Das eine schließt das andere also nicht aus - manchmal denke ich sogar: das eine bedingt das andere.

In diesem Sinne wünschen wir viele faule Stunden - nicht nur im Urlaub.

 

RANDNOTIZEN
Passend zum Thema: am 10.08.2017 ist der internationale Tag der Faulheit
Am 04.09.2017 erscheint das BuchLernen für Faule“ und das Seminar dazu findet am 29./30.09.17 statt (steht auch Nicht-Lerncoaches offen).

 

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