· 

Was ist eigentlich Wander-Coaching?

Wandercoaching wird immer populärer und dafür gibt es gute Gründe - es bietet je nach Zielsetzung viele Möglichkeiten der effektiven Veränderungsarbeit. Doch was ist eigentlich Wandercoaching? Kurz gesagt geht beim Wandercoaching darum, in der Natur, v.a. beim Wandern, zu coachen - Einzelpersonen oder Gruppen.

 

Dabei lässt sich diese Methode vor allem auf drei verschiedene Arten einsetzen: 1) Wandern, um etwas in Bewegung zu setzen. 2) Wandern, um die Natur als Metapher zu verwenden. 3) Wandern, um unmittelbare Erfahrungen nutzen zu können. Oft werden diese Arten kombiniert.

 

1) Wandern, um etwas in Bewegung zu bringen
Sicherlich kennt das jeder von uns. Wenn wir an einem Thema arbeiten und nicht weiterkommen, dann hilft es einen Spaziergang in der Natur zu machen. Plötzlich kommt die Kreativität, der Gedankengang oder der Lösungsweg wieder in Gang. Körperliche Bewegung sorgt für die Bewegung im Kopf.

 

Dieses Phänomen wird im Wander-Coaching explizit genutzt. So manches Coaching ist viel effektiver, wenn es nicht sitzend im Coachingraum, sondern auf einem gut gewählten Spaziergang stattfindet. Ein Klemmbrett für Notizen zwischendurch, vielleicht eine Wasserflasche und ein paar Nüsse, und schon ganz es losgehen. Hier liegt der Schwerpunkt vor allem in der Bewegung.

 

2) Wandern, um die Natur als Metapher zu verwenden
Auf dem Wanderweg liegen unzählige Metaphern bereit, die wir nutzen können, um noch einmal neu über das aktuelle Coaching-Thema bzw. die formulierten Ziele nachzudenken und Anregungen für die Lösung zu bekommen. Es wird von Anfang an nach Analogien zwischen der Wanderung und dem Coaching-Thema gesucht.

 

So kann z.B. bei einem Weg, der nicht immer kontinuierlich nach oben führt, sondern mal bergauf, mal bergab geht, als Metapher für jede Veränderungsarbeit genutzt werden. Mal geht es gut vorwärts, dann kommen mal Talsohlen und Rückschritte. Doch nur wenn wir weitergehen, kommen wir schließlich oben am Gipfel an. Eine erlebte, unmittelbar erfahrene Metapher hat eine ungleich höhere Wirkung als die reine Vorstellung davon.

 

Besonders zielführend ist es, wenn diese Analogien nicht vom Coach gefunden, sondern vom Coachee gesehen werden. Dazu ist es notwendig, die Augen dafür zu öffnen und einen Auftrag zu geben: Achte auf die Parallelen zwischen dieser Wanderung und Deinem Coaching-Thema. Teile sie immer wieder mit - ganz spontan und unreflektiert. Achte auch darauf, was diese Wanderung, Dir an Lösungen anbietet. Usw.

 

3) Wandern, um unmittelbare Erfahrung nutzen zu können
Wenn wir uns mit Veränderung beschäftigen, nutzen wir im Coaching oder Training oft den "As If frame", wir tun also immer wieder so, als würden wir in bestimmten Situationen sein, um nacherleben zu können, was z.B. eine Änderung eines Gedankens, eines Blickwinkels oder des inneren Dialoges bewirkt. Beim Wander-Coaching können wir die unmittelbare Erfahrung nutzen, und zwar für alle Phasen des Coachings.

 

Angenommen, der Wetterbericht hat bestes Wanderwetter vorausgesagt, nach den ersten paar Metern setzt jedoch Regen ein. Das kann der Coach sofort aufgreifen und den Coachee bitten, die Gedanken dazu wahrzunehmen. Evtl. tauchen solche auf: "nie kann man sich auf die Wettervorhersage verlassen ... so ein Mist, wären wir nur unten geblieben ... was passiert, wenn das noch stärken wird?". Es geht zunächst nur um eine Bewusstmachung der aktuellen Situation. Nach einer Weile frägt der Coach nach, was hier aufkam. Um schließlich der entscheidenden Frage nachzugehen: Sind solche Gedanken ein Muster? Lässt sich die Reaktion auf die widrigen Wetterumstände auch auf andere unangenehme, unvorhergesehene Situationen des Lebens übertragen? Sind diese Gedanken nützlich, hilfreich, unterstützend?

 

 

Man könnte noch ein Experiment anschließen. Nämlich die Aufgabe stellen: mindestens 20 Minuten lang darüber nachzudenken, was alles an dem schlechten Wetter schlimm ist. Dann ein Separator, initiiert vom Coach. 10 Minuten Small-Talk über dieses und jenes. Dann die Aufgabe: mindestens 20 Minuten darüber nachzudenken, was alles gut ist an diesem Wetter bzw. positiv über die aktuelle Situation nachdenken. Anschließend Reflexion: mit welchen Gedanken im Kopf geht der Aufstieg leichter?

 

Eine Wanderung bietet unzählige Möglichkeiten verschiedene Coaching-Tools und mentale Übungen in der Situation selbst sofort anzuwenden. Die unmittelbare Erfahrung sofort zu nutzen. 

 

Die Leistung des Coaches liegt darin, diese Erfahrungs-Möglichkeiten erkennen, sie nutzen und zu dem Coaching-Thema in Beziehung setzen zu können. Es braucht also hohe Konzentration, Spontaneität, Flexibilität und Kreativität bei der Begleitung im Wandercoaching.

 

Wandercoaching - egal ob als Einzel-Coaching oder (Inhouse) Teamevent - macht richtig Spaß, ist äußerst zielführend und sollte viel öfter eingesetzt werden!

 

Übrigens: die nächste mindSYSTEMS Milton Mountain Tour mit Wandercoaching-Elementen findet am Sonntag, den 11.09.16 statt - alle Infos gibt es hier.

 

Einen älteren Artikel über Coaching in der Natur findest Du hier.

 

Danke für's Teilen!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0