Corporate Learning Pro, agiler Lerncoach, normaler Lerncoach - was macht eigentlich wer?

   

"Du bist ja Corporate Learning Professional, agiler Lerncoach und normaler Lerncoach - ist das eigentlich das dasselbe, oder gibt es Unterschiede?"

 

Diese Frage stellte mir neulich eine Kollegin - zurecht, denn so langsam ist es schwer den Überblick bei all den neuen Begriffen zu behalten. 

 

Ich versuche hier einen Überblick über die verschiedenen Rollen und Perspektiven zu geben. Denn genau in diesen unterscheiden sie sich. Blicken wir jedoch zuerst auf die Gemeinsamkeiten.

 

Die Gemeinsamkeiten

Egal, ob ich in der Rolle des CLP, des agilen oder des "normalen" Lerncoaches agiere: die Werte und die Haltung gegenüber Lernen und den Lernenden sind immer dieselben:

  • Gute Bildung ist das Fundament für ein gutes, sicheres und zufriedenes Leben
  • Lernen führt zu guter Bildung
  • Lernen ist ein lebenslanger Prozess 
  • Lernen zu dürfen ist ein Geschenk
  • Lernen macht Spaß und ist erfüllend
  • Lernen wird lernerzentriert und wertschätzend begleitet
  • ...

 

Die Unterschiede

liegen v.a. in der Rolle und der Perspektive, die ich jeweils einnehme. Sie können unabhängig von einander ausgeübt werden und hängen zugleich eng zusammen.

 

 

Der Corporate Learning Professional

  • nimmt die Vogelperspektive ein und betrachtet das Lernen in einem Unternehmen zunächst als Ganzes
  • beobachtet und analysiert die Lernkultur der Organisation, der Teams und der Mitarbeitenden
  • findet den Reifegrad von Lernpersönlichkeit heraus
  • kennt die vielen unterschiedlichen Lernformate, wie z.B. Learning Circles, MOOCs, Peer Learning, selbstorganisiertes Lernen, Push- und Pull Lernen, Reverse Mentoring, Upskilling, Reskilling, Learning in the Moment of need, Vorratslernen usw. 
  • gibt Empfehlungen, wie das Lernen in der Organisation oder im Team sich entwickeln kann und wie die Mitarbeitenden mitgenommen werden
  • implementiert neue Lernformate, die sich in ein übergeordnetes Lernkonzept gut einfügen
  • kann den Learning Changeprozess begleiten und unterstützen
  • Usw.

 

Beispiel:

Eine Firma mit 120 Mitarbeitenden aus dem IT Bereich möchte die Personalentwicklung langfristig verändern. Weg vom im Herbst erscheinenden Seminarkatalog aus dem z.T. die Mitarbeitenden, z.T. die Vorgesetzten Schulungen auswählen, die im kommenden Jahr besucht werden. 

 

Neues Ziel ist, die Mitarbeitenden den Lernprozess mit gestalten zu lassen, auch andere Lernformate als Seminare anzubieten und nach und nach das Lernen als selbstverständlichen Teil des Arbeitsalltags werden zu lassen. Dies ist oft ein weiter - und sehr lohnender - Weg.

 

Als Corporate Learning Coach betrachte ich zunächst die Lernkultur, v.a. bei den Mitarbeitenden: wie eigeninitiativ sind sie? Wie oft fragen sie Themen an, die sie interessieren? Wie sehr organisieren sie ihr Lernen selbst? Können sie sich selbst motivieren und evaluieren? …

 

Meist empfehle ich zunächst in kleinen Schritten Veränderungen vorzunehmen: ich habe festgestellt, dass man anhand eines konkreten Seminars, z.B. eines Führungskräfte- oder Zeitmanagement-Seminars eine neue Art von Lernreisen gut einführen kann. 

 

Wer sich für das Thema interessiert, ist eingeladen, den Prozess von Beginn an zu gestalten: sie reflektieren mit einem agilen Lerncoach ihren Status Quo, formulieren ihre Ziele, tun sich in Lernzirkeln zusammen und gestalten ihre individuelle Lernreise. Sie finden heraus, ob sie eine LernComminity brauchen, oder eher LernRaum für sich. Ob sie ein Seminar brauchen oder eher einen Experten oder eine Expertin aus dem Unternehmen usw. 

 

Der Corporate Learning Professional setzt den übergeordneten Rahmen von Lernreisen, beobachtet die Aktivitäten und leitet genrealisierbare Maßnahmen für andere Zielgruppen und Kontexte ab.

 

 

Der "normale" Lerncoach

  • begleitet indviduell Lernende dabei, ihre Lernpersönlichkeit zu erweitern
  • bietet Unterstützung beim Finden von passenden Lernstrategien
  • gibt Tipps und Impulse für die Entwicklung wichtiger Lernkompetenzen, z.B. Konzentration, Motivation oder Lernorganisation
  • bietet konkrete Hilfen und Methoden für erfolgreiches Lernen an
  • ist Experte im Bereich des individuellen Lernens

 

Beispiel:

Mitarbeiterin Sarah ist sich nicht ganz sicher, auf welche Lernreise sie sich begeben möchte, daher bekommt sie einen agilen Lerncoach an die Seite. Mit Hilfe von verschiedenen Methoden werden die Ziele immer klarer. Der agile Lerncoach bespricht das konkrete Vorgehen bei der Wahl der Lernformate, der Learning Communities und reflektiert das Ergebnis. Nach ein paar Wochen ist die Zusammenarbeit beendet.

 

 

Der "agile" Lerncoach

  • bietet einen Lernprozess-Rahmen basierend auf agilen Lernprinzipien
  • findet mit den Lernenden deren Lernziele heraus
  • unterstützt bei der Wahl der Lernformate, Lernpfade und ganzen Lernreisen
  • hilft beim Finden von passenden Expert:innen, Kursen, Inhalten und vernetzt mit anderen Lernenden
  • reflektiert mit dem Lernenden den bisherigen Lernweg und hilft, Verbesserungen zu initiieren
  • reflektiert den Lernerfolg

 

Beispiel:

Mitarbeiterin Sarah hat zwar nun ihre genau passende Lernreise gefunden, merkt jedoch, dass sie sich mit dem Lernen an sich sehr schwer tut. 


Sie kann sich die Inhalte nur hinlänglich merken, vergisst sehr viel und kann sich auch nur schwer auf die Themen konzentrieren. Eine Lernexpertin (normaler Lerncoach) wird hinzugeholt, so dass Sarah durch intensives Coaching ihre Lernkompetenzen ausbauen und auf andere Kontexte transferieren konnte. 

 

 

 

Zusammenfassung

  • ein Corporate Learning Professional hat das gesamte System im Blick
  • ein agiler Lerncoach bietet den klaren Rahmen für selbstorganisiertes Lernen
  • ein normaler Lerncoach führt mit konkretem Lern-Know-How zum Lernerfolg

    


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